Die Mode der zwanziger Jahre

In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, speziell die Zeit zwischen 1924 und 1929 bezeichnet man als die "Goldenen Zwanziger". Der Frauenüberschuss bewirkte, dass sich auch für die Rolle der Frau einiges tat, Frauen neue Berufsfelder ergreifen konnten, Berufsfelder, welche bisher den Männern vorbehalten waren. In der Kunst entwickelte sich die "Neue Sachlichkeit", welche ein Sinnbild des gesellschaftlichen Wandels nach den Erfahrungen aus dem vergangenen ersten Weltkrieg wurde. Künstler waren ein Spiegelbild des Zeitgeistes und politisch interessiert. Man befreite sich von alten (akademischen) Zwängen, zeigte weniger Scham, die Kluft zwischen Arm und Reich wurde thematisiert, das Großstadtleben, Szenen aus dem Rotlicht-Milieu ebenso wie die neue selbstbewusste Frau. Es war auch die Zeit des Bauhauses, welches sich gegen die konservative Haltung der Landesregierung und deren Mittelkürzungen wehrte, weshalb es nach Dessau verzog.

20er Jahre Mode

Damenmode

In der Mode war der Wert eines Schmuckstückes nicht so wichtig, eher seine schockierende, oder oppositionelle Wirkung. Nach dem Krieg war es auch vielen gar nicht möglich wertvollen Schmuck zu tragen. In der Damenmode ging es um die Botschaft der Unabhängigkeit, des Mondänen. Unkomplizierte Kleider, welche dem neuen Frauenbild einer emanzipierten, berufstätige Frau gerecht wurden, und sich nicht so unpraktisch wie die bisher langen Kleider zeigten, wurden entwickelt. Die Röcke wurden kürzer, endeten erst unterhalb , ab 1925 sogar oberhalb des Knies. Die Damenfrisuren wirkten auf die ältere Generation provozierend, löste doch ein Bubikopf die Haarnadeln und Schnecken ab. Erstmals wurde der Damensmoking entwickelt. Zur Abendmode gehörten Handtaschen, Stirnbänder, Perlenketten Boas, und die lange Zigarettenspitze, denn auch das Rauchen war nicht länger nur eine Domäne des Mannes. Der Hauch des "Verruchten" war gewünscht. So war denn auch das Schminken und Pudern in der Öffentlichkeit nicht länger etwas Ungehöriges, sondern selbstverständlich.

In der Modeszene eröffnete die Entwicklung neuer Stoffe/synthetischer Fasern ungewöhnliche Möglichkeiten in der Mode. Nicht nur die begehrten Seidenstrümpfe wurden passgenauer, angenehmer im Tragkomfort und hatten einen Seidenschimmer.

Herrenmode

Die Neue Sachlichkeit zeigte sich bei den Herren auch in den Frisuren. Sie trugen die Haare streng nach hinten gekämmt, oft mit perfektem Seitenscheitel. Als Hutschmuck waren Schiebermützen und Topfmützen "en vogue", der neue "Beinschmuck" waren die Knickerbocker.

Mit Gehrock und Zylinder war die Mode vorher (1919) dunkel und klassisch korrekt gewesen. Die danach anfänglich noch recht breiten Sakkos mit den gepolsterten Schultern und der gepolsterter Brust betonten die männlichen Muskelpartien, was im Laufe des Jahrhunderts weniger wurde . Sakkos entwickelten sich danach mehr tailliert und weniger gepolstert, im ganzen legérer. Den Tagesanzug des Herrn nannte man "Stresemann", nach dem damaligen Reichskanzler Gustav Stresemann, und er erfreut sich noch heute großer Beliebtheit.